Nachtsegeln für kleine Boote

Nachtsegeln für kleine Boote

Nautik voller Charme

Es gibt zwei triftige Gründe, weswegen Sie den Wunsch verspüren könnten, bei Nacht in See zu stechen. Ein Grund wäre, dass Sie in Eile sind und die Fahrt nicht bis auf den Morgen versschieben können. Der andere Grund ist viel romantischer: Sie wünschen sich einen Törn in einem ganz anderen und meistens bezaubernden Ambiente. In der Überschrift dieses Textes steht „für kleine Boote“, was bedeutet, dass Sie keine professionelle Crew an Bord haben, sondern das Boot selbst lenken.

 

Für die Gruppe der Nautiker, die ihr Ziel in der Nacht erreichen müssen, gelten dieselben Regeln wie für die zweite Gruppe, denen wir uns etwas mehr widmen möchten, und so beginnen wir diesen Text mit einer generellen Betrachtung der Navigation bei Nacht.

Ivan Čorić

Das System der Nachtmarkierungen (in erster Linie der Leuchttürme) wurde am kroatischen Meer bereits zur Zeit der Donaumonarchie, im Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert installiert. Wenn man bedenkt, wieviel kleine Inseln und Riffe es hier gibt, gestaltet sich das System alles andere als einfach.

Luka Esenko

Wir würden Ihnen empfehlen, nur jene Gebiete bei Nacht zu befahren, auf denen Sie bereits am Tag unterwegs waren und die Ihnen bekannt sind. Das ist nicht immer möglich, doch wenn Sie die Route wählen können, entscheiden Sie sich für die bekanntere Strecke.

Trotz der vielen modernen Navigationshilfen, vor allem der GPS Systeme, raten wir Ihnen, Ihre Kenntnisse im Umgang mit Papier-Seekarten und die Erkennung von Leuchtfeuern immer auf dem Stand zu halten. Wenn auch das GPS System sehr hilfreich ist, vor allem bei schlechter Sicht, sollten Sie dennoch gut mit der „alten“ Art des Navigierens vertraut sein, wobei besonders betont werden muss, dass kleine Wasserfahrzeuge für elektronische Karten unsichtbar bleiben. Wenn wir bedenken, dass Seefahrer einst die Weltmeere durchkreuzten und sich dabei nur auf die Position der Sterne verließen, sollten wir daran interessiert sein, zumindest die Grundzüge des Nachtsegelns mit Hilfe von Seekarten in den Griff zu bekommen. Wenn Sie sich in der Welt der Sterne, d.h. mit der astronomischen Navigation auskennen, erwartet Sie viel Freude mit dem Sextanten und den Gestirnen – doch das ist ein Thema für eine kleine Gruppe von Liebhabern, die es heute zu einem unterhaltsamen Hobby gemacht haben.

 

Die Geselligkeit mit dem Meer kann auch viel prosaischer sein, doch das Wichtigste ist, dass Sie nachts wenigstens ein bisschen Sichtbarkeit haben, die zum größten Teil vom Mondschein kommt und von den Wellen beträchtlich gemindert wird. Nachts muss man nicht nur auf die Route und Entfernung vom Meeresufer achten, sondern auch auf andere Wasserfahrzeuge, und Wellen sind dabei ein beträchtlich einschränkender Faktor, ganz besonders dann, wenn Sie auch selbst auf einem kleinen Boot unterwegs sind. Wenn Ihr Boot mit einem Radargerät ausgestattet ist, kann Ihnen das eine große Hilfe sein, doch kein Blick auf den Bildschirm kann den Ausguck mit eigenen Augen ersetzen.

 

Das Studieren der Route vor der Fahrt und die Erkennung problematischer Stellen werden Ihnen die Fahrt ebenfalls erleichtern. Wir raten Ihnen, ein Licht zur Hand zu haben, mit dem Sie Ihr eigenes sowie andere Boote beleuchten können – und vergessen Sie nicht, nach hinten zu schauen. Es kann vorkommen, dass Sie in Küstennähe ein anderes Wasserfahrzeug mit Lichtern auf dem Festland verwechseln, und in solchen Fällen ist besondere Vorsicht angesagt. Ferner, wenn Sie wissen, dass Sie ein Gebiet befahren, in denen kleine und nicht ordnungsgemäß gekennzeichnete Boote auf Fischfang gehen, raten wir Ihnen, die Geschwindigkeit zu drosseln, was Ihnen mehr Zeit gibt, einem anderen Boot aus dem Weg zu gehen. Auch in anderen Fällen der Unsicherheit (wenn Sie sich z.B. fragen, wie nahe Sie am Ufer sind) ist eine Geschwindigkeitsverringerung das Klügste, was Sie machen können.

 

All jenen Nautikern, die aus romantischen Gründen nachts in See stechen, eröffnet sich eine ganze neue Welt. Seglern bietet sich die Möglichkeit, neue Freuden zu entdecken und ein Gespür für Boot und Segel zu entwickeln, und allen bietet sich eine ganz neue Art, das Meer zu erleben. Während Sie über die Meeresoberfläche gleiten und das Glitzern des Planktons unter Ihrem Bug den zahllosen Sternen am Himmel opponiert, wenn Sie die Stille auf offener See oder die Geräusche und Düfte des Spiels zwischen Meer und Meeresufer locken, dann spüren Sie einfach, was es bedeutet die Weite des Universums zu erkennen. Gleichzeitig entwickeln Sie auch Ihr Wahrnehmungsvermögen, indem Sie die Eindrücke der nächtlichen Fahrt aufnehmen, wenn Ihre Sinnesorgane wegen der verminderten Sicht besonders geschärft sind. Der Begriff der Geschwindigkeit bekommt eine ganz neue Bedeutung, und es dauert eine geraume Zeit, bis Sie ein gutes Gespür für die Fahrt bei Nacht entwickelt haben.

Davor Rostuhar

Das Nachtsegeln bei Schönwetter hat einen Reiz, den man sich nur schwer vorstellen kann. Im Sommer kommt noch das Nachtbaden in einer schönen Bucht dazu, gewissermaßen als Belohnung für Ihr kleines nächtliches Abenteuer. So eröffnet sich Ihnen eine ganze neue Welt der Freuden, die in Kroatien real möglich sind.